Geschichten aus Ahes guter Stube Montag 12.Mai 2014 Kölner Stadt-Anzeiger

IMG_0001   Bergheim-Ahe
Ein Haus mit Geschichte und Geschichten ist jetzt das Heimathaus in Ahe. Im Oktober 2013 übernahm der Verein „Museum der Stadt Bergheim“ das ehemalige Spritzenhaus und das nach seiner Auflösung leerstehende Vereinshaus des Heimatvereins Ahe. Mit viel Liebe, Einsatz und zahlreichen Exponaten aus dem Fundus des Museumsvereins wurde daraus eine schmucke „Gute Stube“. Am Freitag wurde das „neue“ Heimathaus vorgestellt.

Einladend: Die festliche gedeckte Kaffeetafel.
Besonderer Blickfang der Ausstellung, die einem regionalen Wohnhaus aus der Zeit der Jahrhundertwende nachempfunden ist, ist zweifellos das prächtige Harmonium von 1871. In den USA gebaut, stand es ab 1900 in der Kapelle des britischen Luxusliners Lucania. Dieser gewann unter anderem das Blaue Band für die schnellste Atlantiküberquerung von London nach New York. Gleich daneben steht eine Schaufensterpuppe mit schwarzem Festtagskleid. So bekleidet ging eine junge Frau Anfang des 20. Jahrhunderts allerdings nicht nur sonntags in die Kirche – es war auch ihr Hochzeitskleid. Der Grund: Vor allem auf dem Lande konnten es sich die Menschen nicht leisten, ein teures Festkleid nur einmal zu einem bestimmten Anlass zu tragen. Daher überwogen auch am schönsten Tag des Lebens dunkle Farben, die aber auch später noch tragbar waren.

Eine typische Küchenecke.
An viele der Exponate in der „Küche“ des Heimathauses erinnern sich die älteren Besucher noch allzu gut. Das zeigte sich am Eröffnungstag, an dem viele Aher kamen. „Auf so einem Herd hab ich auch noch gekocht“, sagte eine ältere Dame beim Anblick der mächtigen Kochstelle aus Eisen und Emaille. „Das ging wunderbar, aber er musste jeden Tag geschrubbt werden.“ Sie erzählte auch vom Umgang mit dem Butterfass und dem schmiedeeisernen Waffeleisen sowie vom Einmachen der Gurken in einem Keramiktopf. Vor allem die Buttermilch mit den kleinen Butterflöckchen habe köstlich geschmeckt.

Zu sehen sind auch Kruzifixe.
Es sind genau diese Erinnerungen, die die „Gute Stube“ in Ahe zu einem Haus der Geschichten machen. Kaum hatten die Besucher das Heimathaus betreten, tauschten sie sich über Weihwasserschälchen, über die viele Arbeit, die ihre Mütter und Großmütter mit der Versorgung von Haus und Familie hatten, und ganz allgemein über die gute, aber schwere alte Zeit aus. Mehr als 300 Stunden haben die Mitglieder des Museumsvereins die gute Stube renoviert und die Ausstellung vorbereitet. Ein Engagement, das sich gelohnt habe, so der Vereinsvorsitzende Frank-Rainer Hildenbrand. Die Aher zollten ihnen daher Lob und Anerkennung für die Neugestaltung ihres Heimathauses. Die Öffnungszeiten und Veranstaltungen im und am Heimathaus will der Museumsverein mit den örtlichen Vereinen koordinieren, und natürlich sind die Aher weiterhin aufgerufen, ihre „Gute Stube“ mit Exponaten zu ergänzen.

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